Ziele und Ergebnisse des Elektromobilitätskonzeptes

Das Elektromobilitätskonzept soll als Chance dienen, um Ihnen als Bürgerinnen und Bürgern sowie Beschäftigten der Stadt Nienburg/Weser Mobilitätsalternativen aufzuzeigen und ein Umdenken anzustoßen. Nachfolgend werden die Ergebnisse des Elektromobilitätskonzeptes für die Stadt Nienburg/Weser kurz und prägnant zusammengefasst. Für umfängliche und detaillierte Erklärungen lesen Sie nach Projektabschluss im Dezember 2021 gern im Abschlussbericht nach.

BESTANDSAUFNAHME

Vorgehen: Im Elektromobilitätskonzept für die Stadt Nienburg/Weser wurden die bisherigen Konzepte und Planungen im Bereich der nachhaltigen und der Elektromobilität in der Stadt herausgearbeitet und darauf aufbauend die energie-, klima- und verkehrspolitischen Zielstellungen der Stadt abgeleitet. Die aktuellen Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen und der Ausbaustand der Ladeinfrastruktur in der Stadt Nienburg/Weser wurden in Zusammenarbeit mit den Betreibern vor Ort aufbereitet.

Ergebnis: Derzeit gibt es in der Stadt Nienburg/Weser 737 Elektrofahrzeuge. Davon sind 469 rein elektrisch betriebene (BEV) und 268 Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) (Stand: Januar 2021). Im Nienburger Stadtgebiet sind 23 Ladestationen mit insgesamt 50 Ladepunkten zu finden. 46 der Ladepunkte werden mit Wechselstrom betrieben und weisen eine Ladeleistung zwischen 3,7 und 43 kW auf (Normal- bzw. AC-Laden). An den verbleibenden, mit Gleichstrom betriebenen, 4 Ladepunkten kann aufgrund der höheren Ladeleistung von mindestens 50 kW vergleichsweise schneller geladen werden (Schnell- bzw. DC-Laden) (Stand: Juli 2021).

Stadt Nienburg/Weser, Lange Straße

LADEINFRASTRUKTURPROGNOSE

Aktiver Ladevorgang an einer Ladesäule

Vorgehen: Basierend auf kleinräumigen statistischen Daten, einer umfassenden Analyse des Einzelhandels, der Verkehrsmenge, der öffentlichen Parkflächen etc. wurde eine Prognose zur Anzahl und räumlichen Verteilung von Elektrofahrzeugen und Ladevorgängen für die Jahre 2025, 2030 und 2035 durchgeführt. Unter Einbezug der bestehenden Ladeinfrastruktur wurden Bedarfsräume ermittelt, in denen mit erheblichen Versorgungslücken zu rechnen ist. Im Rahmen einer Vor-Ort-Begehung wurden konkrete Standorte innerhalb der Bedarfsräume identifiziert und hinsichtlich deren Eignung für Ladeinfrastruktur geprüft.

Ergebnis: Im Jahr 2025 ist mit ca. 1 580 Elektrofahrzeugen (BEV und PHEV) in der Stadt Nienburg/Weser zu rechnen. Um den dadurch entstehenden Ladebedarf decken zu können, sollten insgesamt mindestens 50 Ladepunkte (AC und DC) im Stadtgebiet zur Verfügung stehen. In der Regel befinden sich zwei Ladepunkte an einer Ladestation. Dieser Ausbaustand ist bereits jetzt erreicht. 2030 werden ca. 3 830 Elektrofahrzeuge in der Stadt Nienburg/Weser erwartet. Zur Deckung des damit verbundenen Ladebedarfs sind insgesamt mindestens 140 Ladepunkte notwendig. Für das Jahr 2035 werden ca. 6 850 Elektrofahrzeuge in der Stadt Nienburg/Weser prognostiziert. Für die Deckung des Ladebedarfs sollten insgesamt mindestens 281 Ladepunkte zur Verfügung stehen. In den untenstehenden Tabellen werden die Prognoseergebnisse übersichtlich für Sie zusammengefasst:

Erwartete Anzahl von Elektrofahrzeugen in der Stadt Nienburg/Weser (Prognose):

Jahr BEVPHEV
2025952635
20302 4921 342
2035 4 7992 057

Benötigte Ladepunkte zur Deckung des erwarteten Ladebedarfs in der Stadt Nienburg/Weser (Prognose):

JahrACDC
2025464
203012812
203525724

Maßnahmen:
– Proaktives Vorantreiben des Ladeinfrastruktur-Ausbaus im öffentlichen Raum
– Erarbeitung eines marktoffenen Vergabemodells mit städtischer Vorprüfung für die Errichtung von Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum
– Ansprache von Flächeneigentümern hinsichtlich des Ladeinfrastruktur-Ausbaus
– Sensibilisierung von Privatpersonen hinsichtlich des Ladeinfrastruktur-Ausbaus
– Erfassung von Wünschen für Ladestationen im öffentlichen Raum


ELEKTRIFIZIERUNG VON FUHRPARKS

Vorgehen: Für die Fahrzeuge der städtischen Verwaltung, des Baubetriebshofes, der Feuerwehren und ausgewählter Unternehmen wurde eine Fuhrparkanalyse durchgeführt, um darauf aufbauend mögliche Elektrifizierungspotentiale darzustellen. Als Grundlage dienten die Erfassung von Fahrprofilen über einen Fragebogen und die Auswertung von Fahrtenbüchern für die einzelnen Fahrzeuge. Mithilfe einer softwaregestützten Analyse wurde unter Annahmen bestimmt, welche Fahrzeuge für eine Elektrifizierung geeignet sind.

Ergebnis: Der Fuhrpark der Stadt Nienburg/Weser setzt sich aus insgesamt 62 Fahrzeugen zusammen, die sich auf 6 Standorte verteilen. Die Stadt unterhält bereits 4 vollelektrische Pkw und 2 Mildhybrid-Pkw als Verwaltungsfahrzeuge (Stand: Juli 2021). Im Rahmen der Fuhrparkanalyse konnte ermittelt werden, dass sich 10 der Fahrzeuge der Stadtverwaltung für eine Elektrifizierung eignen (9 als BEV, 1 als PHEV). 32 der 46 untersuchten Fahrzeuge des Baubetriebshofes weisen nach derzeitigem Wissensstand Ersetzungspotential als vollelektrische Fahrzeuge auf. 6 Fahrzeuge der Feuerwehren der Stadt Nienburg/Weser wurden untersucht. In den kommenden Jahren können 2 Dienstfahrzeuge des Feuerwehrhauses Nienburg vollelektrisch ersetzt werden. Zudem könnte ein Mannschaftswagen des Feuerwehrhauses Holtorf bis 2032 durch ein Elektrofahrzeug ersetzt werden. Von insgesamt 38 untersuchten Fahrzeugen ausgewählter Unternehmen sind 32 künftig für eine Ersetzung mit vollelektrischem Antrieb geeignet.

Maßnahmen:
– Aufbau eines gemeinsamen Fahrzeugpools an einem Standort zur Nutzung für alle Beschäftigten der Stadtverwaltung
– Elektrifizierung ausgewählter Fahrzeuge des kommunalen Fuhrparks und Ausbau der dafür benötigten Ladeinfrastruktur
– Beschaffung von Diensträdern zur Nutzung für alle Beschäftigten der Stadtverwaltung
– Änderung der Dienstanweisung zur Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel für Dienstreisen


ELEKTRIFIZIERUNG DES ÖFFENTLICHEN PERSONENNAHVERKEHRS

Vorgehen: Um zu prüfen, inwieweit Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im öffentlichen Personennahverkehr der Stadt Nienburg/Weser eingesetzt werden können, wurden die von der Stadtbusgesellschaft Nienburg mbH zur Verfügung gestellten Umläufe der im Stadtverkehr fahrenden Busse untersucht.

Ergebnis: Aufgrund der begrenzten Reichweite und der fehlenden Pausenzeiten für Ladevorgänge ist eine Elektrifizierung der im Stadtverkehr eingesetzten Busse derzeit nicht möglich. Ab Ende 2022 werden stattdessen 2 Brennstoffzellenbusse, betrieben mit Wasserstoff, im Nienburger Stadtverkehr eingesetzt und an einer Wasserstofftankstelle, die durch die Stadtwerke Nienburg/Weser GmbH im Gewerbegebiet Südring errichtet wird, betankt. Damit können im Vergleich zu den derzeit eingesetzten Diesel-Hybridbussen mehrere Hundert Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.  

Maßnahmen:
– Erprobung der Wasserstofftechnologie im Stadtbusverkehr

An Haltestelle haltender Bus

POTENTIAL EINES ÖFFENTLICHEN E-BIKESHARING-SYSTEMS

Fahrräder in Fahrradabstellanlagen

Vorgehen: Die Stadt Nienburg/Weser beabsichtigt, den Radverkehr als Möglichkeit der emissionsfreien Mobilität zu fördern, die entsprechenden Infrastruktureinrichtungen zu verbessern und auf den Trend der verstärkten E-Bike-Nutzung zu reagieren. Daher wurde geprüft, inwieweit ein E-Bikesharing-System ein sinnvolles Angebot sein kann, um mehr Personen in der Stadt Nienburg/Weser zur Nutzung des Fahrrads auf Alltagswegen zu bewegen.

Ergebnis: Damit ein solches Angebot funktionieren kann, sind große monetäre und organisatorische Aufwände notwendig. Neben der Anschaffung der E-Bikes muss die Radwegeinfrastruktur in der Stadt Nienburg/Weser verbessert und ausgebaut werden. Zudem müssen qualitativ hochwertige Fahrradabstellanlagen an wichtigen Punkten, wie z. B. an Einkaufsmöglichkeiten und Bildungseinrichtungen, zur Verfügung stehen. Erst, wenn diese Aspekte erfüllt sind, kann ein öffentliches E-Bikesharing-System in der Stadt Nienburg/Weser funktionieren.

Um die Nutzung von E-Bikes in der Stadt Nienburg/Weser zu stärken, wird stattdessen empfohlen, das aktuelle Verleihangebot von E-Bikes zu unterstützen und weiter auszubauen. Derzeit bieten der Giant Store Nienburg, das Radhaus Felden am Rathaus und das Radstudio Bohn den Verleih von E-Bikes an. Durch die Integration des kommunalen Lastenrades in das Verleihangebot und die Bereitstellung von Testangeboten, z. B. in Form von Informationsständen auf dem Altstadtfest Nienburg, können Anreize für die Erprobung und langfristige Privatanschaffung gesetzt werden.

Maßnahmen:
– Verbesserung und Ausbau der Radwegeinfrastruktur als Grundvoraussetzung
– Schaffung und Instandhaltung qualitativ hochwertiger Fahrradabstellanlagen
– Errichtung von Servicestationen für Fahrräder und E-Bikes mit grundlegendem Werkzeug (z. B. Luftpumpe) im öffentlichen Raum
– Ansprache und Sensibilisierung von Unternehmen und Schulen hinsichtlich der Förderung des Radverkehrs bei Beschäftigten und Schülern
– Stärkung des aktuellen E-Bike-Verleihangebotes durch intensive Öffentlichkeitsarbeit
– Ansprache weiterer potentieller Akteure zum Ausbau des E-Bike-Verleihangebotes


EINBINDUNG REGENERATIVER ENERGIEN

Vorgehen: Unter Berücksichtigung des derzeitigen Ausbaustandes regenerativer Energieanlagen in der Stadt Nienburg/Weser und unter Einbeziehung der Ergebnisse der Ladeinfrastrukturprognose wurden das Potential und die Notwendigkeit des weiteren Ausbaus regenerativer Energieanlagen in der Stadt Nienburg/Weser bestimmt.

Ergebnis: In der Stadt Nienburg/Weser gibt es aktuell 423 Erneuerbare-Energien-Anlagen, wovon 379 Photovoltaik-Anlagen sind und damit 78 % an der gesamten installierten Leistung regenerativer Energieträger der Stadt ausmachen (Stand: Dezember 2020). Durch die schrittweise Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs wird ein zusätzlicher Strombedarf von etwa 8 080 MWh im Jahr 2030 erwartet. Um den Zielwert des Bundes von 65 % Ökostromanteil im Jahr 2030 zu erreichen, muss die regenerative Stromerzeugung in der Stadt Nienburg/Weser fortan jedes Jahr um ca. 16 GWh erhöht werden. Da in der Stadt Nienburg/Weser eine im Vergleich zu Gesamtdeutschland geringe Anzahl von Wohngebäuden mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet ist, liegt hier das größte Potential für den weiteren Ausbau regenerativer Energieträger. Durch die Erstellung eines öffentlichen Solarkatasters kann das reale Potential bestimmt und Interessierten aufgezeigt werden. Auch kommunale Flächen bieten unter Umständen Potential für Photovoltaik und sollten je nach Eignung damit ausgestattet werden.

Photovoltaik-Anlagen im Freien

Maßnahmen:
– Erstellung eines Solardachkatasters zur Prüfung der Eignung von Flächen für den weiteren Ausbau von Photovoltaikanlagen


RUHENDER VERKEHR

Parkleitsystem in der Stadt Nienburg/Weser

Vorgehen: Anhand der jährlichen Einnahmen, welche durch die Parkgebühren erzielt wurden, wurde exemplarisch für ausgewählte größere Parkplätze in der Stadt Nienburg/Weser deren Auslastung ermittelt und untersucht, inwieweit diese Parkplätze für eine temporäre bzw. abschnittsweise Umnutzung infrage kommen.

Ergebnis: Die Stadt Nienburg/Weser verfügt im Innenstadtbereich über ein vielseitiges Stellplatzangebot in Parkhäusern, Tiefgaragen und im Freien. Für jeden der untersuchten Parkplätze konnte überschlägig eine Jahresauslastung von unter 50 % ermittelt werden. Damit besteht zumindest temporär und abschnittsweise an verschiedenen Parkplätzen in der Stadt Nienburg/Weser das Potential für eine Umnutzung. Diese kann z. B. in Form einer zeitweisen Begrünung, einer gastronomischen Nutzung oder attraktiven Sitzgelegenheiten zum Verweilen erfolgen. Von großer Bedeutung ist es, diejenigen Stellplätze umzunutzen, die nur wenig genutzt werden. Der Wegfall von Stellplätzen in Gebieten mit hohem Parkdruck ist kontraproduktiv. Zudem müssen Alternativen im Umfeld zur Verfügung stehen. Hierfür muss eine konkrete Untersuchung der Auslastung der Parkplätze im Tages- und Jahresverlauf erfolgen, um Umnutzungen erfolgreich umsetzen zu können.

Maßnahmen:
– Erprobung temporärer Umnutzungen ausgewählter Parkplätze im Anschluss an eine konkrete Untersuchung der Auslastung im Tages- und Jahresverlauf


OPTIMIERUNG VON LICHTSIGNALANLAGEN

Vorgehen: Auf Grundlage von Schaltplänen und Untersuchungen vor Ort wurde ermittelt, inwieweit die Lichtsignalanlagen im Stadtgebiet für Fußgänger und Radfahrer attraktiver und sicherer gesteuert werden können, ohne den Pkw-Verkehr damit signifikant einzuschränken. Durch die Anpassung der derzeitigen Steuerung der Lichtsignalanlagen soll das Zurücklegen von Wegen zu Fuß und mit dem Fahrrad gefördert werden.

Ergebnis: Die Stadt Nienburg/Weser setzt aktuell vermehrt auf verkehrsabhängige Steuerungen und eine grüne Welle, die den Kfz-Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen bevorzugt. Insbesondere entlang dieser Verbindungen besteht das Potential, den Verkehrsfluss von Fußgängern und Radfahrern zu verbessern. Dies kann z. B. in Form von Wärmebildkameras oder Restzeitenanzeigen für Fußgänger und Radfahrer erfolgen. Entlang des Berliner Rings kann langfristig eine grüne Welle für den Radverkehr zum Einsatz kommen, sobald hier durchgängig attraktive Radwege vorhanden sind.

Anforderungstaster für Fußgänger an einer Lichtsignalanlage

Maßnahmen:
– Erhöhung der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern durch die Optimierung von Lichtsignalanlagen


NETZWERKBILDUNG

Vorgehen: Es wurden Akteure recherchiert, die bisher für die Entwicklung der (Elektro-)Mobilität in der Stadt Nienburg/Weser eine wichtige Rolle gespielt haben und in Zukunft spielen können. Diese wurden mit ihren einzelnen Aufgaben und Beziehungen zueinander visualisiert, um darauf aufbauend Potentiale für weitere Vernetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Ergebnis: Im Bereich der (Elektro-)Mobilität sind bereits viele Akteure in der Stadt Nienburg/Weser tätig und untereinander vernetzt. Damit besteht derzeit ein gutes Netzwerk, auf dem durch die Einbindung neuer Akteure und die Schaffung weiterer Verbindungen untereinander aufgebaut werden kann. Insbesondere Bildungs- und Forschungseinrichtungen oder der Carsharing-Anbieter können stärker in die weitere Entwicklung und Ausgestaltung der (Elektro-)Mobilität einbezogen werden.

Maßnahmen:
– Bildung einer Arbeitsgruppe für Elektromobilität zur weiteren Netzwerkbildung
– Öffentlichkeitsarbeit im Bereich (Elektro-)Mobilität